Workshop: Ackern am rechten Rand – Völkische Siedler*innen und die Anastasia-Bewegung in Brandenburg

Medien zum Thema

Die Bewegung der rechten Siedler*innen im ländlichen Raum hat in den letzten Jahre großen Zuwachs bekommen. Völkische Siedler*innen kaufen auch in Brandenburg Höfe und landwirtschaftliche Flächen, bilden Gemeinschaften und weiten ihre Netzwerke aus. Neben Projekten der Solidarischen Landwirtschaft und der Permakultur-Bewegung sind mittlerweile auch Ernährungsräte davon betroffen.
Besonders relevant in Brandenburg ist die sogenannte Anastasia-Bewegung, die u.a. im Norden Brandenburgs intensive Siedlungsaktivitäten betreibt. Auf den ersten Blick wirken die Anhänger*innen dieser Gruppierung wie Öko-Aussteiger. Sie bestellen Felder in Handarbeit, betreiben Öko-Landbau, orientieren sich an einem Leben im Einklang mit der Natur und scheinen Anschlussfähig für Menschen und Projekte aus der Nachhaltigkeits-Szene. Doch beim näheren Hinsehen offenbart sich eine Weltanschauung, die auf das rassistisch-antisemitische Denken der völkischen Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts zurück geht und im Nationalsozialismus seinen Höhepunkt fand. Die Anastasia-Bewegung ist ein rechtsesoterisches Netzwerk, deren Ideologie auf Antisemitismus, Verschwörungsdenken und einem reaktionären, rassistisch-völkischen Weltbild beruht.

Foto: Basierend auf: https://www.flickr.com/photos/hinkelstone/30849865356 (Creative commons Lizenz)

Der Veranstaltung findet live über Zoom statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um die Zugangsdaten zu bekommen, bitte vorher anmelden unter info@weltoffenes-werder.de

Im ersten Teil der Veranstaltung setzen wir uns kritisch mit der Bewegung auseinander und beleuchten dabei Ideologie und Weltbild, Akteur*innen der Szene sowie deren Strukturen.
Was sind völkische Siedler*innen und was kennzeichnet die Anastasia-Bewegung? Welchen Ideologien folgen sie? Mit welchen Strukturen und Netzwerken haben wir es zu tun? Wo sind sie in Brandenburg vertreten?

Im zweiten Teil der Veranstaltung wird es um die Frage gehen, wie mit völkischen Siedler*innen und der Anastasia-Bewegung umgegangen werden kann. Dazu werden in Kleingruppen unter fachkundiger Anleitung anhand konkreter Fälle in Brandenburg Handlungsstrategien entwickelt und diskutiert.

Vortrag und Diskussion mit Andrea Röpke (Freie Journalistin, Buchautorin und Rechtsextremismusexpertin), Laura Schenderlein (Historikerin und Rechtsextremismus-Expertin vom Mobilen Beratungsteam) und N.N. (Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN))

Eine Veranstaltung des Aktionsbündnis Weltoffenes Werder, des Ernährungsrat Brandenburg und des Ernährungsrat Prignitz-Ruppin.

Gefördert von der Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung und der Staatskanzlei des Landes Brandenburg.

Planung zur Aktionswoche Weltoffenes Werder

Am Donnerstag den 8. April fand Online unser Auftaktworkshop zur Planung der Aktionswoche Weltoffenes Werder 2021 statt. Mit über 20 Teilnehmenden diskutierten wir Ideen für die Aktionswoche, entwickelten neue Vorschläge und haben so gemeinsam einen Schritt voran gemacht in der Planung unserer Aktionswoche.
Besonders gefreut hat uns die Vielfalt an Hintergründen der Teilnehmenden am Workshop aus den verschiendenen Fraktionen des Stadtversammlung, aus der Stadtverwaltung Werder, Schulen, verschiedener sozialer, (inter)kultureller und politischer Initiativen in der Stadt und interessierter Einzelpersonen.

Die ersten Veranstaltungen und Termine sind nun schon festgelegt, anderes wird in den kommenden Wochen konkretisiert. In jedem Fall schon mal vormerken: Die Aktionswoche findet statt vom 28. August bis 4. September 2021

#TagGegenRassismus 2021


In der Nacht vom 19. auf den 20. März haben Unbekannte den Bahnhof Werder mit dem Logo der JN, der Jugendorganisation der NPD beschmiert. Aktive des Aktionsbündnis haben in einer Aktion zum Int. Tag gegen Rassismus am 21. März 2021 die Graffitis so weit wie möglich beseitigt und die Stadtverwaltung informiert. Ein großes Dankeschön an Bürgermeisterin Frau Saß und die Mitarbeitenden der Stadt, die umgehend eine Reinigung in die Wege geleitet haben!

Gemeinsam gegen Rassismus! Für ein weltoffenes Werder!

Save the Date: Aktionswoche Weltoffenes Werder 2021

Wir freuen uns schon jetzt den Termin für die Aktionswoche Weltoffenes Werder 2021 anzulündigen: Die Aktionswoche beginnt am 28. August und endet am 4. September in diesem Jahr wieder mit dem großen „Weltoffenes Werder Festival“.
Aktuell basteln wir an einem abwechslungsreichen Programm, dass wir euch dann im Sommer vorstellen werden.
Du hast Lust etwas im Rahmen der Aktionswoche anzubieten? Dann nimm gerne direkt Kontakt mit uns auf: info [ät] weltoffenes-werder.de

Statement zur Entscheidung des Ortsbeirats Glindow

Werder (Havel), 18. Februar 2021

Als Aktionsbündnis Weltoffenes Werden haben wir uns mit der Unterstützung vieler Bürgerinnen und Bürger aus Glindow und Werder für den Vorschlag der Straßenbenennung „Resi-Salomon-Straße“ stark gemacht.
Wir sind enttäuscht über die Entscheidung des Ortsbeirats, der sich in der Sitzung am vergangenen Mittwoch mit Mehrheit von CDU, Freien Bürgern und der SPD für die rein pragmatische Bezeichnung „Zum Schulcampus“ entschieden hat.
Auch wenn diese Parteien mehrfach betont haben, wie wichtig eine aktive Erinnerungskultur ist, wollten ihrer Vertreterinnen und Vertreter im Ortsbeirat diesen konkreten Schritt um die Erinnerung an den Holocaust und die Gewaltverbrechen der Nazis wach zu halten, nicht gehen.
Wir sind besonders auch deshalb verärgert, weil keine inhaltlichen Argument gegen den Vorschlag vorgebracht und mit dem Aktionsbündnis auch nicht der Dialog über das Anliegen gesucht wurde. Gerade in den aktuellen Zeiten wäre ein gemeinsames und klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus besonders notwendig und wichtig gewesen. Doch offenbar wurden hier parteipolitische Abwägungen und Befindlichkeiten über das inhaltliche Anliegen gestellt und zivilgesellschaftliches Engagement der Bürgerinnen und Bürger nicht besonders wertgeschätzt.

Wir hoffen nun, dass die Stadtverordneten in der SVV Werder und die Bürgermeisterin das Anliegen für die „Resi-Salomon-Straße“ dennoch aufnehmen und auch den Austausch mit dem Aktionsbündnis dazu suchen werden.

Zum Hintergrund

Im Werderaner Ortsteil Glindow entsteht in Kürze eine neue Straße als Zufahrt zum Schulcampus der Hoffbauer-Stiftung. Am 17. Februar tagte der Ortsbeirat von Glindow in einer Videositzung und hatte sich unter anderem auch mit der Straßenbenennung befassen.
Das Aktionsbündnis Weltoffenes Werder rief die Mitglieder des Ortsbeirats Glindow dazu auf, sich für den Straßenamen Resi Salomon auszusprechen und ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und für eine lebendige Gedenkkultur in der Stadt zu setzen. Der Aufruf wird von zahlreichen Organisationen, Parteien und Unternehmen und rund 100 Bürgerinnen und Bürger aus Glindow und Werder unterstützt.

Resi Salomon und ihre beiden Söhne hatten ihren letzten Wohnsitz in Werder in der Klaistower Straße 70, nur unweit vom neuen Schul-Campus entfernt. Sie führte dort eine Gärtnerei. 1942 wurde Resi Salomon von den Nazis zunächst in das Ghetto von Warschau und anschließend in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort umgebracht. Ihr Sohn Hans Siegfried wurde nur wenige Wochen später nach Minsk deportiert und dort von den Nazis ermordet.

Initiative zur Resi-Salomon-Straße in Glindow

Im Ortsteil Glindow entsteht in diesen Wochen eine neue Straße als Zufahrt zum privaten Schulcampus der Hoffbauer Stiftung. Für diese Straße wird ein Name gesucht. Aus Kreisen des Ortsbeirates kam die wunderbare Idee, diese Straße nach Resi Salomon zu nennen. Diesen Vorschlag möchten wir unterstützen und rufen die Ortsbeiräte ind Glindow sowie die Stadtverordneten von Werder dazu auf, der Straße den Namen „Resi-Salomon-Straße“ zu geben.

Resi Salomon und ihre beiden Söhne hatten ihren letzten Wohnsitz in Werder in der Klaistower Straße 70, nur unweit vom neuen Schul-Campus entfernt. Sie führte dort eine Gärtnerei. 1942 wurde Resi Salomon von den Nazis zunächst ins Ghetto von Warschau und anschließend in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort umgebracht. Ihr Sohn Hans Siegfried wurde nur wenige Wochen später nach Minsk deportiert und dort von den Nazis ermordet.
Mehr Informationen zur Familie Salomon finden sich hier: https://www.juedische-schicksale-werder.de/familie-salomon/

75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Befreiung von Auschwitz und in einer Zeit, in der Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft wieder zunehmen, halten wir die Benennung einer Straße in Glindow im Gedenken an Resi Salomon für ein richtiges und wichtiges Zeichen. Gerade weil diese zu einer Schule führt, kann sie ein Impuls für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler sein, sich mit diesen Aspekten der Orts- und der Zeitgeschichte zu beschäftigen.

Wir wenden uns an Organisationen, Parteien Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger aus Glindow bzw. Werder, die diese Idee unterstützen wollen. Und bitten auch Sie und Euch, den Vorschlag mit Ihrem/Eurem Namen Nachdruck zu verleihen. Wenn Sie den Aufruf unterstützen möchten, bitte wir um eine Nachricht per E-Mail bis 11.1.21 an info[ät]weltoffenes-werder.de unter Angabe, mit welchen Namen bzw. Bezeichnungen (Organisation, Partei, …) Sie/Ihr auf dem Schreiben aufgeführt werden möchtet.

Gedenken an die Pogrome vom 9. November ’38

Am Montag, 9 November 2020 jährt sich die Reichsprogromnacht von 1938, die der Auftakt zu noch aggressiverer Verfolgung war und bei der auch in Werder die Nazis jüdische Mitbürger drangsalierten und vertrieben.
In Werder gibt es 8 Stolpersteine vor 4 Häusern der Stadt. Sie wurden zur Erinnerung an jüdische Mitbürger gesetzt, die Opfer des Naziterrors wurden.
Angesichts der Corona-Pandemie und des Lockdowns ruft das Aktionsbündnis Weltoffenes Werder auf, an diesem Tag der Opfer still zu gedenken und an den Stolpersteinen Blumen niederzulegen und Kerzen zu entzünden.
Stolpersteine findet man in der Torstraße 3, vor Brandenburger Straße 20, Schwalbenbergweg 27 und vor Klaistower Straße 70 in Glindow

CORONA-INFO:
Bitte tragt eine Mund-Nasen-Bedeckung und haltet Abstand zueinander!

Die Mittelmeer-Monologe

FÄLLT LEIDER AUS!!!!

Wir laden euch ein zur Aufführung der Mittelmeer-Monologe am Dienstag, den 10. November 19 Uhr im SCALA Kulturpalast in Werder.

Die Mittelmeer-Monologe sind dokumentarisches, wortgetreues Theater, basierend auf mehrstündigen Interviews mit Betroffenen und Aktivist*innen der Seenotrettung. Es gewährt Einblicke in die weitgehend unbekannte Arbeit der Menschen auf hoher See, die alles dafür tun, um andere Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Es erzählt uns von den politisch widerständigen Naomie aus Kamerun und Yassin aus Libyen, die sich auf einem Boot nach Europa wiederfinden. Und es berichtet von der oft brutalen Arbeit der „Küstenwachen“ im offenen Meer.
Anschließend besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit Aktiven verschiedener Initiativen, die sich für den Schutz und die Rechte von Geflüchteten und Menschen auf der Flucht einsetzen.

CORONA-INFO:
Angesichts der wieder stark steigenden Infektionszahlen achten wir bei der Veranstaltung ganz besonders auf den Schutz eurer Gesundheit!
BITE MELDET EUCH ZUR TEILNAHME PER MAIL AN info(ÄT)weltoffenes-werde.de
Die Anzahl der Plätze ist stark begrenzt, so dass ihr in dem großen Saal mit ausreichend Abstand zueinander sitzen könnt. Auf dem Weg bis zu eurem Platz ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Es ist ein Einbahnstraßen-System ausgeschildert und der Saal wird regelmäßig gelüftet.
Für die Kontaktnachverfolgung im Falle eines Infektionsfalles werden gemäß Verordnung eure Kontaktdaten erfasst und nach der vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist vernichtet.
Weitere Infos unter: https://scala-werder.de/

https://www.facebook.com/events/988217024981241/

Mit freundlicher Unterstützung durch die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung und Berlin-Brandenburgische Auslandsgesellschaft (BBAG)

Das waren die Aktionswochen Weltoffenes Werder 2020

Trotz Corona und schließlich auch wegen Corona haben wir auch in diesem Jahr die Aktionswochen Weltoffenes Werder organisiert. Mit den zahlreichen Veranstaltungen, gestreckt über zwei Wochen war es uns ein Anliegen gerade in diesen speziellen Zeiten ein deutliches Zeichen zu setzen gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Hass und Hetze und für eine weltoffene, solidarische und friedliche Gesellschaft.

Den Auftakt machte die Eröffnung der von der Organisation „Adopt a Revolution“ entwickelte Ausstellung „Repression, Revolution, Transformation. 1989 und 2011 zusammen erinnern“. Diese geht der Frage nach, welche Gemeinsamkeiten zwischen den Oppositionsbewegungen in der ehemaligen DDR und der Demokratiebewegung in Syrien bestehen.


Im Rahmen der Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Ausstellung sprachen Zeitzeuginnen beider Bewegungen über ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse von 1989 in der DDR und 2011 in Syrien. Gemeinsam arbeiteten die Gäste auf dem Podium Gemeinsamkeiten aber natürlich auch große Unterschiede beider Bewegungen heraus und schlugen dabei auch den Bogen zur heutigen Zeit, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Die Ausstellung war für knapp zwei Wochen in der Heilig-Geist-Kirche zu sehen und lud sowohl Touristinnen auf ihrem Rundgang über die Insel zum verweilen ein und lockte zugleich auch gezielt Interessierte in die historische Kirche.

Mehr Informationen zu Adopt a Revolution und der Ausstellung, die nun durch die Bundesrepublik tourt, finden sich hier: https://adoptrevolution.org/projekt/ausstellung-1989-2011-diktatur-opposition-revolution/

An Kinder und Jugendliche richtete sich der Theaterworkshop „Wir original Werder“. An zwei Nachmittagen ging die Gruppe aus jungen Menschen mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden der Frage nach: Was haben wir gemeinsam? Was unterscheidet uns? Was bringt uns zusammen? Und warum sind wir gemeinsam „original Werder“?
Zum „Bankett für die offene Gesellschaft“ (siehe unten) brachten die Kinder und Jugendlichen dann in einer kleinen Performance das Ergebnis ihrer gemeinsamen Suche nach Antworten auf diese Fragen auf die improvisierte Bühne.

Mit Musik und Poesie erfüllte die Gruppe Sauti é Haala das Havelufer. Während die vertonten Gedichte der afrodeutschen Dichterin May Ayim das Publikum eher nachdenklich stimmten, luden Lieder wie „Mama eh“ oder „Sama yaye“ die zahlreichen Gäste zum mitsingen ein. So verband sich die künstlerische Auseinandersetzung mit Rassismus und Kolonialismus mit einer immer wieder auch heiteren und gelösten Atmosphäre.

Der Höhepunkt der Aktionswochen war unser „Bankett für die offene Gesellschaft“. Eine lange gedeckte Tafel, mit mitgebrachten Speisen – so wie wir es ursprünglich geplant hatten – war auf Grund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht möglich. So fanden sich auf der Wiese vor der Heilig-Geist-Kirche die Gäste in kleineren Sitzgruppen mit Kaffee und Kuchen zusammen. Von Kellner*innen wurde ihnen nur Symbolisch Vorspeise, Hauptgang und Dessert serviert. Tatsächlich befanden sich unter den Servierglocken Fragen und Gesprächsanreize, die sich von einem vorsichtigen Kennenlernen mit jedem Gang immer tiefer gehenden Themen und Fragenkomplexen annäherten. „Seit wann lebst du in Werder?“, „Wozu hättest du gerne Mut?“, „Was ist die größte Herausforderung für unsere Gesellschaft?“ …
Dabei verfolgten wir das Ziel, dass Menschen aus Werder miteinander ins Gespräch kommen über die Frage, in welchem Werder sie gerne leben möchten und was sich dafür verändern sollte.
Begleitet wurde die Gesprächssituation von thematischen Informationsständen u.a. von der Initiative Offene Gesellschaft, Schöner Leben ohne Nazis und anderen.

Während die Gespräche an den Tischen langsam ausliefen, begann bereits der Umbau für die anschließende szenische Lesung. Die Autorin Manja Präkels las begleitet von zwei Musiker*innen der Gruppe „Der singende Tresen“ aus ihrem preisgekrönten Debütroman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“. Auf eindrucksvoll Weise schildert der Roman das Leben und Erwachsen werden in der Wendezeit in einem Ort in Brandenburg und das Erstarken der Neonazi-Szene.
Die anschließende Diskussion zeigte, wie wichtig die Auseinandersetzung mit diesen auch „Baseballschlägerjahren“ genannten Zeit aus einer Antirassistischen Perspektive ist.
Sehr gefreut haben wir uns über den Besuch unserer Kulturministerin Manja Schüle bei der Lesung.

In der darauffolgenden Woche war die internationale Wandertheatergruppe aus Glindow „Ton und Kirschen“ mit ihrem wunderbaren Stück „Die Legende vom heiligen Trinker“ im Rahmen der Aktionswochen zu Gast. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der staubige Wendehammer an der Luisenstraße in eine Theaterbühne und rund 150 Menschen verfolgten gebannt die Aufführung. Vor dem Beginn setzte das Publikum noch eine deutliches Zeichen für Humanität und Menschrechte und forderte mit uns gemeinsam die Stadtverordneten von Werder auf, die Stadt zum „sicheren Hafen“ für Menschen auf der Flucht zu erklären. Leider wurde dies in der SVV wenige Tage später mit den Stimmen der CDU und AfD abgelehnt.

Am Mittwoch zeigten wir den Dokumentarfilm „Tokanara“ im Scala Kulturplast. Tokanara porträtiert vier Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und in Brandenburg ein neues ZU Hause gefunden haben. Dabei setzt sich der Film auch kritisch mit den Asylbedingungen in unserem Land auseinander und erzählt von Rassismuserfahrungen, die viele Menschen hier erleben.
Rund 70 Schülerinnen waren gekommen, um den Film zu sehen und anschließend mit den Protagonistinnen ins Gespräch zu kommen. Man konnte deutlich erkennen, wie sehr sich die Schülerinnen das Thema des Films zu Herzen genommen hatten: sie fragten vor allem nach Möglichkeiten, sich gegen Diskriminierung zu engagieren bzw. wie man geflüchtete Personen bei der Ankunft in Deutschland unterstützen kann. So stellten die Protagonstinnen des Films beispielsweise verschiedene Vereine vor, denen die Schülerinnen sich als Ehrenamtliche anschließen könnten. Nach Abschluss der Veranstaltung suchten einige Schülerinnen sogar noch persönlich mit den Referent*innen das Gespräch, weil der Film so viel in ihnen bewegt hatte.

Am selben Tag fand – Corona bedingt – VOR der Gemeinschaftsunterkunft in der Schubertstraße der Abschluss des Recycling-Projekts „Klumpatsch“ statt. Die im Rahmen der kreativen Arbeit der Kinder entstandenen Tiere aus recycelten Materialien verzieren nun den Zaun vor der Unterkunft und verschönern das Gelände.

Den Abschluss der Aktionswochen bildete das Begegnungscafé des Netzwerk Neue Nachbarn, bei dem Menschen mit und ohne Fluchterfahrung zusammen kommen, sich kennenlernen können und einen Ort für Austausch und Begegnung ermöglicht wird.

In der Stadtbibliothek Werder war im Rahmen der Aktionswochen ein thematischer Bücherstand zum Thema Diversität aufgebaut. Eine passende Veranstaltung konnte leider ebenfalls Corona-bedingt nicht stattfinden.

Wir blicken sehr zufrieden zurück auf diese zwei prall gefüllten Wochen. Viele Menschen haben sich für die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen interessiert und es gab spannende Gespräche und Debatten. Und die Aktionswochen haben wieder einmal gezeigt: Viele Menschen hier in Werder setzen sich ein für eine weltoffene und solidarische Stadt und zeigen Gesicht gegen jede Form von Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Hass.

Wie bedanken uns ganz herzlich bei allen, die zu den Aktionswochen beigetragen haben. Bei allen Künstlerinnen und Aktivistinnen, den ehrenamtlichen Helfer*innen und bei der Landeszentrale für politische Bildung, der Staatskanzlei des Landes Brandenburg und der Stadt Werder (Havel) für die finanzielle Unterstützung.
Und natürlich bei euch allen, die ihr zu den Veranstaltung gekommen seid!

Zivile Alternativen zur militärischen (Un)Sicherheit – Vortrag und Diskusiom

Am 2. Oktober – Geburtstag Mahatma Gandhis und internationaler Tag der Gewaltlosigkeit – lädt das Aktionsbündnis Weltoffenes Werder ein, über gewaltfreie, zivile Alternativen zur militärischen (Un-)Sicherheit zu diskutieren:
Ralf Becker, Koordinator der von der Ev. Landeskirche in Baden u.a. initiierten Kampagne ‚Sicherheit Neu Denken‘, informiert wie Deutschland eine nicht-militärische, zivile Sicherheitsarchitektur aufbauen kann und stellt die Kampagne ‚Sicherheit Neu Denken‘ vor: www.sicherheitneudenken.de
Jan Stehn referiert die neusten Forschungsergebnisse der US-amerikanischen Wissenschaftlerin Erica Chenoweth zu Erfolgen und Misserfolgen Gewaltfreier Bewegungen.

Corona-Schutz:
Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen gelten die aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln. Die Teilnehmendenzahl ist entsprechend begrenzt. Wir bitten um vorherige Anmeldung,
Bitte haltet Abstand zueinander, tragt nach Möglichkeit eine Mund-Nasen-Bedeckung und geht achtsam miteinander um. Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen müssen wir Kontaktdaten erfassen, um ggf. eine Nachverfolgung von Infektionsfällen zu gewährleisten. Die Daten werden von uns ausschließlich für diesen Zweck verwendet und anschließend vernichtet!

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, die Staatskanzlei des Landes Brandenburg und die Stadt Werder (Havel).