Statement zur Entscheidung des Ortsbeirats Glindow

Werder (Havel), 18. Februar 2021

Als Aktionsbündnis Weltoffenes Werden haben wir uns mit der Unterstützung vieler Bürgerinnen und Bürger aus Glindow und Werder für den Vorschlag der Straßenbenennung „Resi-Salomon-Straße“ stark gemacht.
Wir sind enttäuscht über die Entscheidung des Ortsbeirats, der sich in der Sitzung am vergangenen Mittwoch mit Mehrheit von CDU, Freien Bürgern und der SPD für die rein pragmatische Bezeichnung „Zum Schulcampus“ entschieden hat.
Auch wenn diese Parteien mehrfach betont haben, wie wichtig eine aktive Erinnerungskultur ist, wollten ihrer Vertreterinnen und Vertreter im Ortsbeirat diesen konkreten Schritt um die Erinnerung an den Holocaust und die Gewaltverbrechen der Nazis wach zu halten, nicht gehen.
Wir sind besonders auch deshalb verärgert, weil keine inhaltlichen Argument gegen den Vorschlag vorgebracht und mit dem Aktionsbündnis auch nicht der Dialog über das Anliegen gesucht wurde. Gerade in den aktuellen Zeiten wäre ein gemeinsames und klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus besonders notwendig und wichtig gewesen. Doch offenbar wurden hier parteipolitische Abwägungen und Befindlichkeiten über das inhaltliche Anliegen gestellt und zivilgesellschaftliches Engagement der Bürgerinnen und Bürger nicht besonders wertgeschätzt.

Wir hoffen nun, dass die Stadtverordneten in der SVV Werder und die Bürgermeisterin das Anliegen für die „Resi-Salomon-Straße“ dennoch aufnehmen und auch den Austausch mit dem Aktionsbündnis dazu suchen werden.

Zum Hintergrund

Im Werderaner Ortsteil Glindow entsteht in Kürze eine neue Straße als Zufahrt zum Schulcampus der Hoffbauer-Stiftung. Am 17. Februar tagte der Ortsbeirat von Glindow in einer Videositzung und hatte sich unter anderem auch mit der Straßenbenennung befassen.
Das Aktionsbündnis Weltoffenes Werder rief die Mitglieder des Ortsbeirats Glindow dazu auf, sich für den Straßenamen Resi Salomon auszusprechen und ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und für eine lebendige Gedenkkultur in der Stadt zu setzen. Der Aufruf wird von zahlreichen Organisationen, Parteien und Unternehmen und rund 100 Bürgerinnen und Bürger aus Glindow und Werder unterstützt.

Resi Salomon und ihre beiden Söhne hatten ihren letzten Wohnsitz in Werder in der Klaistower Straße 70, nur unweit vom neuen Schul-Campus entfernt. Sie führte dort eine Gärtnerei. 1942 wurde Resi Salomon von den Nazis zunächst in das Ghetto von Warschau und anschließend in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort umgebracht. Ihr Sohn Hans Siegfried wurde nur wenige Wochen später nach Minsk deportiert und dort von den Nazis ermordet.


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